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Reutlinger General Anzeiger - 14.02.2006

CVJM-Verantwortliche aus dem Landkreis Reutlingen diskutieren in Neuhausen Visionen für Jugendevangelisation. "Leben Teilen" statt bloßen Aktionen.

Normales Angebot reicht nicht mehr


Metzingen-Neuhausen. Etwa fünfzig CVJM-Verantwortliche aus dem Landkreis Reutlingen trafen sich jetzt im Gemeindehaus Neuhausen, um "Visionen" für die Jugendevangelisation vorzustellen, sich mit Erlebnispädagogik zu befassen, Probleme zu besprechen, Erfahrungen auszutauschen und Input für die Arbeit vor Ort zu erhalten.

Eingeladen hatte die CVJM-Arbeitsgemeinschaft im Landkreis Reutlingen, deren Vorsitzender Ulrich Seeger feststellte: "Die Herausforderungen und die Zielgruppe haben sich geändert. Die christliche Sozialisierung in Familien hat nachgelassen und führt nicht mehr fast automatisch in den CVJM, wie es einmal war. Wir versuchen das Vertrauen der jungen Menschen auf der Beziehungsebene zu gewinnen", erklärte er zum Ansatz "Leben teilen" statt nur Aktionsangebote zu machen.

Großer Beitrag


Dabei leben Jugendliche für eine bestimmte Zeit zum Beispiel in den Ferien in leerstehenden Gemeindehäusern als Wohngemeinschaft und teilen so ihr Leben miteinander, bauen Beziehungen auf und können so später christliche Werte in ihren eigenen Gruppen vermittlen.

"Normales Gruppenangebot" reiche für bestimmte Zielgruppen nicht mehr, so Dieter Braun, Landesreferent des evangelischen Jugendwerks. Es könne aber vielleicht gelingen, "Christliches in alle Lebensbereich zu integrieren, weil es in den Elternhäusern oft nicht mehr vermittelt wird", so Braun.

"Der CVJM Neuhausen leistet einen großen Beitrag zur Gesamtjugendarbeit und somit auch zum intakten Vereinsleben", lobte Metzingens Erster Bürgermeister Michael Lucke den Ausrichter des Treffens.

Mit den offenen Angeboten von der "Krabbelgruppe bis zum Posaunenchor" können sowohl Kinder in den Glauben reinwachsen als auch der Glaube lebensbegleitend sein, so Volker Brodbeck vom CVJM Neuhausen. "Wir wollen weg vom Leistungsdruck wie zum Beispiel in Sportvereinen und Schulen", so Brodbeck. Kreativität und Gruppenerlebnis seien wichtig.

Als Beispiel nannte er die Erlebnispädagogik mit einer praktischen Einführung für die Verantwortlichen - sie mussten mit verbundenen Augen gemeinsam ein Haus aus einem Seil bauen und sich dabei "blind aufeinander verlassen können, Rollenverständnis entwickeln", so Brodbeck. Das könne jeder für die Gruppenarbeit nutzen. Zum Beispiel gebe es immer mehr Kinder, die nicht gelernt haben, sich unterzuordnen, zu teilen und das dabei dann lernen würden.

Gelebte Beziehungen

"Gelebte Beziehungen sind entscheidend", so der Präses des deutschen CVJM-Gesamtverbandes, Karl-Heinz Stengel, in seinem Grundsatzreferat am Vormittag. Über den Tellerrand hinausschauen sei wichtig, so Stengel. Der CVJM hat 45 Millionen Mitglieder weltweit. In über 120 Ländern der Erde. Miteinander feierten die Verantwortlichen zum Abschluss das Abendmahl als eine Form von "Leben teilen" - mit Gott und den Mitmenschen. (mar)